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1. Einsatz an der Friedenshütte

 Auf geht’s nach Italien, Friedenshütte wir kommen 1987

Aus Schollys Tagebuch, also ein persönlich gefärbter Bericht. Sollte ein Germanist an meinem Deutsch etwas auszusetzen haben, dann hat er Recht.

Arbeiteinsatz auf der Friedenshütte vom 5. Sept. 1987 bis 12. Sept. 1987 Transporter Übergabe bei Ford Müller. Wolfram Erdmann und Karl- Heinz Vogel. Am 04.09. 87 Abfahrt vor dem Sportgeschäft Beyer in Bretzenheim. Am 05. Sept. 1987 Ankunft bei der Hütte. Anreise ungefähr 950 KM. Besetzt ist der VW Bus mit Stasi und Ingrid, Erich (Stasis Schwiegervater), Don Audisio, Franz Scheidsteger, dazu, Cilly und ich. Im Ford Transit sitzen Karl-Heinz Vogel, Hans und Michael Müller, Heinz Bender und Karl Ernst Schwalbach. Es geht sehr flott voran. Um 0.00 sind wir in Basel und um 3.00 Uhr auf dem Großen St. Bernhard und an der ital. Grenze ins Aosta Tal. Der junge Zöllner will, (kann) die Verantwortung für unseren Transport nicht übernehmen. Der aus dem Schlaf geklingelte Vorgesetzte ist aber zu faul, (müde) um zu kontrollieren. Um 9.00 Uhr sind wir an der Hütte. Allerdings gab es vorher noch ein paar Anlaufstationen. Don Audisio sucht Gesprächspartner, auch einen Lebensmittelhändler klingeln wir heraus. So vergeht die Zeit bis wir zur Hütte kommen. Sofort geht die Arbeit los. In den beiden für uns vorgesehen Zimmern wird erst mal der Putz ausgebessert. Regale bauen, Tischbeine kürzen, auch Getränke und Brot müssen geholt werden. Derweil gibt es vor der Hütte allerlei zu sehen. Eine Oldtimer Rallye hat den Colle della Maddelena zum Ziel. 

Transporter Übergabe bei Ford Müller. Wolfram Erdmann und Karl- Heinz Vogel.

An der Grenze

Ingrid pennt

Nessi bringt das abenteuerliche Gerüst.

Trotz der Arbeit genießen wir die Kaffee Pause und das Abendessen im gemütlichen Beisammensein. Die Skat-Klopfer kommen auch auf ihre Kosten. Viel Zeit bleibt nicht, die Bergwelt rund um die Hütte anzuschauen.

Trotz der Arbeit genießen wir die Kaffee Pause und das Abendessen im gemütlichen Beisammensein. Die Skat-Klopfer kommen auch auf ihre Kosten. Viel Zeit bleibt nicht, die Bergwelt rund um die Hütte anzuschauen.

Schwalbach

Scheidsteger

H. Müller

06. Sept. 1987 Sonntag

Auf Liegen, Matratzen und Luftmatratzen in zwei Räumen eine gute Nacht verbracht. Um 7.00 Uhr ist Wecken, gemeinsames Frühstück, und dann an die Arbeit. Hinter dem Haus geht es los. Franz und MM stehen oben auf dem Gerüst und nageln Bretter an. Stasi verputzt. Erich und ich zimmern einen Küchentisch. Hans und Heinz streichen Fenster. Karl-Ernst legt Filzplatten auf den Fußboden. Erich hat heute Geburtstag, zwischendurch 2 Asti zum Prosten.

Herrliches Wetter, strahlend blauer Himmel begleitet unsere Arbeit. Am Nachmittag wird die Wandfarbe schon aufgetragen. Der erste richtige Arbeitstag geht zu Ende und zeigt seine Erfolge. Dreckig, aber zufrieden schleichen wir in die Dusche. Ingrid sorgt für jede Menge warmes Wasser und wäscht den Männern die Köpfe. Die kalten Duschen werden nicht von allen genutzt.

Am Abend kommt Besuch. Freunde von Don Audisio.

07. Sept. 1987 Montag

Am frühen Morgen, mit Ingrid, Cilly und Don Audisio nach Barcelonette in Frankreich. ( 32 KM ) Herrlicher Sonnenschein begleitet uns durch die Berge. Beim Baumarkt verschiedene Dinge eingekauft, und dann zum CO OP Lebensmittel besorgen. Es war ein Mordsspaß mit drei Brocken Französisch und mit Händen und Füßen, Fleisch, Käse und Butter einzukaufen.

Danach mit Audisio zum Subpräfekt auf Good Will Tour für die Hütte.

Um 12.00 Uhr wieder an der Hütte. Die restliche Mannschaft hat das Gerüst an die Küchenfensterseite umgestellt. Um 12.30 Uhr machen wir uns auf ins Prati del Vallone. Von der Hütte aus auf der Hauptstrasse nach Argentera, hier geht es ab ins Tal und die Straße wird kriminell. Am Ende des Tales erwartet uns eine Überraschung. In einer ehemaligen ital. Kaserne ein überreich gedeckter Tisch. Ein Essen war das nicht, aber ein gesittetes Fressen. So satt( vollgefressen) war ich noch nie in meinem Leben. Die Gastfreundschaft ist ungeheuerlich. Es wird ein schöner Nachmittag, der uns trotz der Sprachprobleme unvergesslich bleiben wird (auch wg. dem Essen). Danach ist an Arbeit natürlich nicht mehr zu denken. So bleibt nur noch ein Spaziergang rund um die Hütte. Hunger hatte an dem Abend nur noch Einer. Ob seiner Wünsche waren unsere Köchinnen geschockt. Aber auch das Problem wurde gelöst.  

 Unser Einkaufsbus

Was sein muss, muss sein

08. Sept. 1987 Dienstag

Kalt am Morgen, doch die Sonne bringt die Wärme schnell. Die Küchenfront wird im oberen Teil mit Brettern verkleidet, die Löcher ausgebessert, 2 Dachanker gesetzt damit das Dach bei starkem Wind nicht davon fliegt. Dann wird die Wand gestrichen. Bald ist Mittagspause und es gibt Gulasch mit Knödel / Nudel. Da wird reingehauen. Karl-Ernst und Erich geben den Innenräumen den letzten Schliff. Im sogenannten Bretzenheimer Zimmer stehen jetzt die Doppelbetten. Das geschnitzte Wappen, der Brezel ist aufgehängt. Am Nachmittag ist die Vorderseite bis auf den Sockel fertig. Auch die hintere Seite der Hütte ist schon recht ansehnlich. Franz, der große Schaffer, schleppt den ganzen Unrat zusammen und macht ein großes Feuer. Langsam sieht man der Hütte das neue Make up an.

Aus dem ital. Soldatenlager auf der großen Wiese, kommt am Abend Besuch.

09. Sept. 1987 Mittwoch

Heute ist das Gesicht der Hütte dran. (Vorderfront) Das Problem hier sind die Metallrahmen der kleinen Fensterscheiben. Viel Arbeit beim Streichen, da braucht es schon einen Farben-Koordinator. ( O-Ton Hans Müller.) Sonst ist die Sache nicht zu bewältigen!!! Auch die Wand muss angelegt werden, doch dann geht alles es besser als gedacht. Gegen 15.00 Uhr sind alle Fenstergitter gestrichen, auch der Sockel rund um die Hütte ist angelegt. Stasi klettert noch auf das Blechdach um die Roststreifen mit Zinkfarbe abzudecken. Franz sichert ihn mit einem Seil auf der anderen Seite.

Um 15.30 Uhr ist Arbeitsschluß, denn Don Audisio hat einen Termin in Boves nahe der Stadt Cuneo ausgemacht. Nur ungern wird die Arbeit eingestellt. Kurz nach 18.00 Uhr sind wir in der Scuola di Pace in Cita di Boves. Friedensschule. Das 1. Friedensdezernat Italiens. Verschiedene Persönlichkeiten halten hier Vorträge zum Thema Frieden. Der Referent erzählt über die Ziele der Schule. Don Audisio übersetzt. Kurse 1x pro Woche. Gewaltfreie Verteidigung des Volkes. Viel Glück dabei Der Bürgermeister von Boves lädt uns in die örtliche Pizzeria ein.  

10. Sept. 1987 Donnerstag

Heute werden noch ein paar Kleinigkeiten erledigt. Das Geländer und die Fenster Innenseiten werden gestrichen. Um 14.00 Uhr ist Abfahrt nach Cuneo zur Agli. Um 16.00 haben wir einen Termin beim OB von Cuneo. Im Sitzungssaal erhalten wir nach einem kurzen Gespräch einen Wappen und eine Medaille. Dann geht es zum Landrat. Wieder Info über unseren Arbeitseinsatz. Michael Müller überreicht das Wappen von Bretzenheim und der DJK. Von uns erhält jeder ein Buch der Provinz Cuneo. Dann kurzer Bummel durch Cuneo. Interessante Geschäftsstrasse. Kilometerlange Arkaden, die den Fußweg vor den schönen, kleinen Geschäften überdecken. Aber doch ist die Stadt ohne größeren Reiz. Sorry, mein Eindruck. Vor der Rückfahrt um 18.00 Uhr, na klar, müssen wir noch zu einem der Chefs von Don Audisio. 

Zum Bischof von Cuneo. Ein kurzes Gespräch und ein bischöflicher Segen und wir sind wieder auf dem Weg zum Colle. Unsere Damen, die keine Lust auf OB, Landrat und Bischof hatten, waren nicht in der Hütte. In der Hoffnung die Beiden auf dem Weg zum Lokal nach Larche zu finden machen wir uns auf den Weg zu Madame. Vergebens. Nach dem 2 ½ Stdn. Schlemmen zurück zur Hütte. Dort erwarten uns zwei äußerst gereizte Damen. Hier schweigt des Sängers Höflichkeit.

11. September 1987 Freitag

Heute machen wir blau und verabschieden unseren geistlichen Begleiter, Don Audisio. Über ein wunderschönes Tal, durch Barcelonette hindurch kommen wir zum See Lac de Serre Poncon. Wollten eine Schlauchboot Fahrt machen, leider hatte die Vermietstation schon geschlossen. Bevor wir ans Ufer des Sees gelangen, genießen wir die tolle Aussicht von oben. Es herrscht eine wunderbare Ruhe, die dann abrupt unterbrochen wird als einige sich der Kleider entledigen und ins Wasser hüpfen.

Der Höhepunkt ist erreicht, als Franz in seiner Mönchkutte erscheint und die Taufe am See Genezareth vornimmt. Und das in einem katholischen Verein!!! Am ausgiebigen, sehr guten Mittagessen in einem schönen Lokal in Barcelonette mit typisch franz. Atmosphäre erfreuen wir uns, draußen sitzend, bei herrlichem Wetter. Da macht das Faulenzen Spaß. Nun noch ein wenig bummeln in dem wunderschönen Städtchen Barcelonette, und paar Souvenirs kaufen. Zurück bei der Hütte im Grenzschnapsladen noch Fernet und Campari geordert. Der Bauunternehmer Nessi holt seine Gerüste ab und es wird noch ein wenig geradebrecht.

Zum Abend laden die Soldaten zur Abschiedsparty ins Camp. War ein unterhaltsamer, lustiger Abend, mit Adressenaustausch. Wie fast immer ( wie man ja weiß) ohne Nutzen.

12. Sept. 1987 Samstag

Um 6.00 aufstehen, einpacken und einladen. Um 8.00 Gruppenfotos vor der Hütte, mit und ohne Soldaten. Die Rückreise führt zuerst langsam durch die Dörfer und Städte Piemonts.

Um 12.00 Uhr m Aostatal ist Fahrerwechsel. Um 13.00 Uhr, kurz vor dem Großen St: Bernhard Mittagspause. Über den St. Bernhard in die Schweiz. Jetzt geht es flotter dahin, und um 7.00 erreichen wir Basel. Auf der deutschen Seite kurz hinter Basel eingekehrt zum Essen. Nach 2 Stunden Fahrt, geht dem Raucherbus der Sprit aus. Der Nichtraucherbus schleppt ab, zur Tankstelle nach Alzey. Um 22.30 Uhr in Bretzenheim. Leider gibt es noch ein medizinisches Problem, Cilly hat vom Durchzug einen steifen Hals. Aber das vergeht, was bleibt ist eine schöne Erinnerung an eine gemeinsame, erfolgreiche Arbeit. Vielleicht das berühmte kleine Wassertröpfchen im Meer der Arbeit für den Frieden auf der Welt!

P.S. Getroffen haben wir uns am Sonntag morgen zum Autoputzen in der Fa. von Franz.

Ende des Berichtes

 

Nachtrag: Ein paar Winterbilder der Friedenshütte. Der Fotograf ist mir nicht bekannt.

Fast hätte ich ja das Wichtigste vergessen